Warum der Preis auf ImmoScout nicht der Preis ist, den Ihr Nachbar bekommen hat

Sie sitzen abends am Laptop, scrollen durch ImmoScout, ImmoWelt und andere Portale. Häuser wie Ihres in Aachen-Laurensberg? 580.000 Euro. In Herzogenrath-Kohlscheid? 420.000 Euro. Etwas Ähnliches in Kelmis? 390.000 Euro. Sie rechnen ein bisschen hoch, ein bisschen runter – und landen bei einer Zahl, die sich gut anfühlt.

Doch dann meldet sich der erste Interessent nach der Besichtigung: „Schönes Haus, aber für den Preis ein bisschen sportlich, oder?“ Oder schlimmer: Es meldet sich gar niemand. Wochen vergehen, die Aufrufe Ihrer Anzeige sinken, und irgendwann fragt Ihr Nachbar beiläufig: „Na, habt ihr schon verkauft?“

Das Problem ist nicht Ihr Haus. Das Problem ist der Preis – und die Tatsache, dass Sie ihn auf Basis von Zahlen festgelegt haben, die wenig mit der Realität zu tun haben.

Was Immobilienportale wirklich zeigen – und was nicht

Immobilienportale sind ein tolles Werkzeug, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Aber sie haben einen entscheidenden Haken: Sie zeigen Angebotspreise, keine Verkaufspreise.

Ein Angebotspreis ist das, was ein Verkäufer (oder sein Makler) gerne hätte. Ein Verkaufspreis ist das, was am Ende tatsächlich bezahlt wird – oft Wochen oder Monate später, nach Besichtigungen, Verhandlungen und manchmal auch nach Preiskorrekturen.

Die Differenz? In der Städteregion Aachen und Ostbelgien liegen die tatsächlichen Verkaufspreise häufig 5 bis 15 Prozent unter den ursprünglichen Angebotspreisen – je nach Lage, Zustand und Marktlage. Bei einem Angebotspreis von 500.000 Euro können das also 25.000 bis 75.000 Euro weniger sein. Nicht gerade ein Rundungsfehler.

Warum starten so viele Verkäufer zu hoch?

Es gibt drei typische Gründe:

„Wir probieren es erstmal oben – runtergehen können wir immer noch.“
Klingt logisch, ist aber riskant. Wer zu hoch startet, verbrennt seine Immobilie am Markt. Interessenten, die einmal „nein“ gesagt haben, kommen selten zurück – selbst wenn der Preis später sinkt.

„Unser Haus ist doch was ganz Besonderes.“
Stimmt wahrscheinlich auch. Aber der Markt bewertet nicht Ihre Erinnerungen, sondern Quadratmeter, Zustand, Lage und Vergleichsobjekte. Emotionale Bindung ist menschlich – aber kein Preisfaktor.

„Die anderen rufen doch auch so viel auf.“
Genau: Die rufen es auf. Ob sie es auch bekommen, sehen Sie nirgends. Gelöschte Anzeigen bedeuten nicht automatisch „erfolgreich verkauft zum Angebotspreis“. Oft bedeuten sie: „nach monatelangem Stillstand vom Markt genommen“ oder „deutlich günstiger abgeschlossen“.

Was passiert, wenn Sie sich an Wunschpreisen orientieren

Stellen Sie sich vor, Sie setzen Ihr Haus in Herzogenrath für 450.000 Euro online – weil drei ähnliche Objekte dort gerade für 440.000 bis 460.000 Euro angeboten werden. Was Sie nicht wissen: Zwei davon stehen schon seit fünf Monaten drin, das dritte wurde gerade um 30.000 Euro reduziert.

Das passiert dann oft:

  • Wenige Anfragen, kaum Besichtigungen. Kaufinteressenten vergleichen mehrere Objekte gleichzeitig. Wenn Ihres preislich oben liegt, wird es schnell aussortiert – egal, wie schön der Garten ist.
  • Lange Vermarktungsdauer. Ihre Immobilie „verbrennt“ am Markt. Nach zwei, drei Monaten ohne Erfolg fragen sich Interessenten: „Was stimmt da nicht?“ Selbst wenn der Preis dann sinkt, bleibt ein fader Beigeschmack.
  • Preissenkungen wirken wie ein Ausverkauf. Sie senken von 450.000 auf 420.000 Euro – und plötzlich melden sich Interessenten, die jetzt auf 390.000 Euro spekulieren. Der psychologische Effekt ist fatal.
  • Am Ende oft weniger Geld als nötig. Wer realistisch bei 420.000 Euro gestartet wäre, hätte vermutlich nach drei Wochen einen Käufer gehabt – vielleicht sogar für 425.000 Euro, weil mehrere Interessenten sich gegenseitig überboten hätten. Wer zu hoch startet, verkauft nach sechs Monaten für 400.000 Euro und ärgert sich.

Die Region macht den Unterschied – und der steht nicht im Portal

Ein weiteres Problem: Immobilienportale bilden die mikrolokalen Unterschiede in unserer Region nur ungenau ab.

In Aachen-Stadt liegen die Quadratmeterpreise deutlich höher als in den Randgemeinden. Herzogenrath-Merkstein ist nicht Herzogenrath-Kohlscheid. Und Kelmis ist nicht Raeren – auch wenn beides in Ostbelgien liegt und online manchmal in einen Topf geworfen wird.

Wer seinen Preis pauschal an „Aachen“ oder „Ostbelgien“ orientiert, kann schnell daneben liegen. Manchmal entscheiden wenige Straßenzüge über 50.000 Euro Wertunterschied.

Wo Sie verlässliche Vergleichsdaten bekommen

Wenn Portalpreise nicht taugen – woher wissen Sie dann, was Ihre Immobilie wirklich wert ist?

1. Gutachterausschüsse und Bodenrichtwerte (Deutschland)

In Deutschland melden Notare jeden Immobilienkauf an den zuständigen Gutachterausschuss. Für die Stadt Aachen und die Städteregion Aachen gibt es daher verlässliche Datenbanken mit echten Verkaufspreisen.

Das Wichtigste:

  • Bodenrichtwerte: Zeigen, was Bauland in Ihrer Straße oder Ihrem Viertel pro Quadratmeter wert ist.
  • Immobilienmarktberichte: Fassen die Preisentwicklungen für verschiedene Objekttypen zusammen (Einfamilienhäuser, Reihenhäuser, Eigentumswohnungen etc.).
  • Kaufpreissammlungen: Die Rohdaten sind meist nur für Gutachter und Makler zugänglich – aber die Auswertungen sind öffentlich oder können angefragt werden.

Diese Daten basieren auf tatsächlich notariell beurkundeten Verkäufen, nicht auf Wunschvorstellungen.

2. Notare und Makler (Ostbelgien)

In Ostbelgien (Eupen, Kelmis, Raeren, Lontzen etc.) gibt es keine zentrale Kaufpreissammlung wie in NRW. Hier sind Notare und lokale Makler die wichtigsten Quellen für Marktdaten.

Wer regelmäßig Immobilien in der Region begleitet, sieht, welche Objekte zu welchen Preisen tatsächlich verkauft werden – und welche monatelang hängen bleiben, weil der Preis zu ambitioniert war.

Gerade in Ostbelgien ist der Markt klein und individuell. Ein einziger Verkauf kann den „Durchschnittspreis“ für ein ganzes Dorf verzerren. Umso wichtiger ist es, jemanden zu haben, der die Region wirklich kennt.

3. Marktberichte und Erfahrungswerte aus der Praxis

Verlassen Sie sich nicht nur auf Quadratmeterpreise. Zwei Häuser in derselben Straße können unterschiedlich viel wert sein, je nachdem:

  • Wie der energetische Zustand ist (Heizung, Dämmung, Fenster).
  • Ob es einen Renovierungsstau gibt (altes Bad, veraltete Elektrik).
  • Wie der Grundriss geschnitten ist (offene Küche vs. Durchgangszimmer).
  • Ob es einen Garten, Stellplatz, Garage gibt.
  • Wie die Mikrolage ist (ruhige Sackgasse vs. Durchgangsstraße).

Immobilienportale können das alles nicht abbilden. Menschen, die täglich mit Verkäufen zu tun haben, schon.

So kommen Sie zu einem realistischen Angebotspreis

Ein guter Angebotspreis ist nicht der niedrigste – aber er ist marktgerecht. Und er erhöht Ihre Chancen auf einen erfolgreichen, stressfreien Verkauf erheblich.

Schritt 1: Objekt ehrlich einschätzen

Schauen Sie Ihr Haus oder Ihre Wohnung mit nüchternem Blick an:

  • Wann wurde zuletzt renoviert?
  • Wie alt sind Heizung, Fenster, Dach?
  • Gibt es sichtbare Mängel (Feuchtigkeit, Risse, veraltete Elektrik)?
  • Wie ist der Energieausweis? (Käufer achten zunehmend darauf.)

Je ehrlicher Sie sind, desto genauer wird Ihre Preiseinschätzung.

Schritt 2: Regionale Marktdaten prüfen

Nutzen Sie die oben genannten Quellen:

  • Bodenrichtwerte für Ihre Straße/Ihr Viertel (online einsehbar für die Städteregion Aachen).
  • Immobilienmarktberichte der Gutachterausschüsse.
  • Erfahrungswerte von Notaren oder Maklern in Ostbelgien.

Vergleichen Sie nicht nur die Quadratmeterpreise, sondern auch Baujahr, Zustand und Ausstattung der Vergleichsobjekte.

Schritt 3: Vergleich mit echten Verkäufen, nicht nur mit Angeboten

Fragen Sie sich nicht: „Was verlangen die anderen?“, sondern: „Wofür wurden ähnliche Häuser tatsächlich verkauft?“

Makler und Notare können Ihnen solche Infos geben. Immobilienportale können es nicht.

Schritt 4: Eine professionelle Wertermittlung einholen

Eine fundierte Marktpreiseinschätzung oder eine Kurzbewertung kostet Sie wenig Zeit, gibt Ihnen aber Sicherheit:

  • Sie wissen, in welchem Preiskorridor Sie sich realistischerweise bewegen.
  • Sie können selbstbewusst in Verhandlungen gehen – weil Sie Ihre Argumente kennen.
  • Sie vermeiden, Monate mit einem unrealistischen Preis zu verschwenden.

Gerade in einer so differenzierten Region wie Aachen/Herzogenrath/Ostbelgien ist lokale Expertise Gold wert.

Fazit: Wunschpreise kosten Zeit, Nerven – und oft Geld

Die Preise auf ImmoScout, ImmoWelt und Co. sind ein nützlicher erster Anhaltspunkt. Aber sie sind keine Garantie, keine Marktabbildung und oft genug einfach zu hoch angesetzt.

Wer seinen Verkaufspreis auf Basis von Portalpreisen festlegt, riskiert:

  • Wenig Interesse, kaum Besichtigungen.
  • Lange Vermarktungszeit und nachlassende Aufmerksamkeit.
  • Preissenkungen, die nach außen wie Panik aussehen.
  • Am Ende ein schlechteres Ergebnis, als bei realistischem Startpreis möglich gewesen wäre.

Ein marktgerechter Preis dagegen:

  • Sorgt für mehr Anfragen und Besichtigungen.
  • Schafft Wettbewerb unter Interessenten.
  • Führt oft zu besseren Verhandlungsergebnissen.
  • Spart Ihnen Nerven, Zeit und Enttäuschungen.

Wenn Sie wissen wollen, was Ihre Immobilie in Aachen, Herzogenrath oder Ostbelgien wirklich wert ist – fragen Sie jemanden, der die tatsächlichen Verkaufspreise kennt, nicht nur die Wunschpreise. Wir schauen uns gerne gemeinsam mit Ihnen an, welche Preise in Ihrer Lage aktuell erzielt werden – unverbindlich, ehrlich und ohne Verkaufsdruck. Dann starten Sie nicht mit Fantasiezahlen, sondern mit Fakten.